Donnerstag, 2. September 2010

Achtung: Rechtsradikale Veranstaltung im Hotel Mercure

Achtung: Rechtsradikale Veranstaltung im Hotel Mercure Am 04. September 2010 um 10 Uhr lädt die „Stiftung Preussisches Kulturerbe“ auch dieses Jahr wieder zum Brandenburger Gespräch ein. Es spricht ein gewisser Menno Aden zum Thema „ Deutscher Patriotismus im heutigen Europa“ im Hotel Mercure Potsdam. Besagte Person wie auch der Vortrag sind jedoch alles andere als harmlos. Aden, promovierter Jurist und selbst ernannter Schützer der deutschen Sprache, wenn auch derselben oft nicht mächtig, gehört als Rechtskonservativer zu den Erstunterzeichnern gegen den „Linkstrend“ in der CDU/CSU. Seine politischen Visionen gehen jedoch weit über einen bürgerlichen Chauvinismus hinaus. Schon sein erstes Buch „Internationales Privates Wirtschaftsrecht“ widmete er u.a. dem Leiter des NS-Justizministeriums Franz Schlegelberger, der als ranghöchster Angeklagter bei den Nürnberger Juristenprozessen zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. In seinem hymnischen Aufsatz „Franz Schlegelberger - Staatssekretär im Reichsjustizministerium“ stellt er dessen vermeintliche Qualitäten als Mensch heraus. Schlegelberger war jedoch u.a. in das Euthanasieprogramm und die Ermordung des Juden Markus Luftglass persönlich verstrickt. Des Weiteren ist Aden Vorsitzender des Vereins „Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft“ (SWG), die durch personelle Überschneidungen zu rechtsextremen Organisationen bekannt ist. Mitbegründer und erster Vorsitzender der SWG war Hugo Wellems, der als Referent von Goebbels im Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda arbeitete. Die SWG führte gelegentlich gemeinsame Veranstaltungen mit der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik“ durch – einem Altherrenclub, der beim Verfassungsschutz als mitgliederstärkste rechtsextremistische Kulturvereinigung gilt. Aden versteckt sich aus Angst vor strafrechtlicher Verfolgung oder gar alliierter Heimzahlung gerne hinter Autoren, die offen ihre Faszination und Hingabe für das Dritte Reich bekennen: So zitiert er den norwegischen Schriftsteller Knut Hamsun, ohne sich in irgendeiner Weise zu distanzieren. Die Passage lautet: „Ich bin dessen nicht würdig, mit lauter Stimme über Adolf Hitler zu sprechen, und zu sentimentaler Rührung laden sein Leben und Taten nicht ein. Er war ein Krieger, ein Krieger für die Menschheit und ein Verkünder des Evangeliums vom Recht aller Nationen. Er war eine reformatorische Gestalt von höchstem Rang, und es war sein historisches Schicksal, in einer Zeit der beispiellosen Niedertracht wirken zu müssen, die ich ihn am Ende zu Boden schlug. So wird der gewöhnliche Westeuropäer Adolf Hitler sehen, und wir, seine treuen Anhänger, neigen nun unser Haupt angesichts seines Todes.“ Aus seinem Faible für NS-Kriegsverbrecher macht Aden keinen Hehl: In seinem Artikel „90 jähriger Kriegsverbrecher“ äußert Aden über Josef Scheungraber, der als Wehrmachtssoldat für die Ermordung von zehn italienischen Zivilisten 1944 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, sein „Mitleid mit dem Täter, von dessen Schuld wir mit dem LG München einmal ausgehen wollen“ und verhöhnt dessen Opfer, indem er diese nur pro forma folgendermaßen bedauert: „Wir sollen auch Mitleid mit den Opfern bekunden, wie das heute üblich ist.“ Aden verteidigt den faschistischen Terror auch durch den Versuch einer Rehabilitierung der NS-Gesetzgebung : „Gesetze und Verordnungen der NS-Zeit waren als solche in Ordnung!“ In gleicher Weise wetterte er gegen die Strafverfolgung Demjanuks. Er zitiert Goebbels unkommentiert, beschreibt Hitler lediglich als „unseren damaligen Staatschef“, bezeichnet den Siegesfeldzug Nazideutschlands gegen Frankreich als „genial“ und als Voraussetzung dafür, dass Deutschland in der Welt heute so anerkannt sei. In seinen Texten verliert er sich in Klageliedern über die „politische Nichtigkeit“ Deutschlands im 18. Jh., deutsche Kolonielosigkeit, die Tatsache nach dem 1. WK,„territorial schmerzhaft beschnitten“ worden zu sein, „diskriminierte und nicht selten misshandelte Deutsche“ in Polen und Böhmen, die „an unseren Grenzen nagenden Nachbarn“ und nicht zuletzt „die Schmach von Versailles“. Dennoch, so Aden, wären die zwei verlorenen Weltkriege ein „Fingerzeig Gottes“ gewesen: „Nun jedoch trat Deutschland in neuer Form und als weitgehend souveräner Staat neu ins Licht der Weltpolitik.“ Heute, endlich, habe es Deutschland zu Ansehen in der Welt gebracht und gilt als Vorreiter für: „Rechtsstaatlichkeit, Pazifismus, Völkerverständigung...“ Aus Angst vor alliierten Vergeltungsmaßnahmen jedoch, mahnt Aden zur Vorsicht: „Der Sieger zweier Weltkriege ist stark genug, uns wieder zu erledigen – und dann ganz. (...) Solange aber diese Möglichkeit (ein 3. WK gegen! Deutschland, Anm. d. V.) in der einen oder anderen Weise, wenn auch nicht als heißer, so als Knebelungskrieg, über uns schwebt, müssen wir Deutschen uns mit dem Ausdruck nationaler Würde zurückhalten. Die einzige Möglichkeit, deutsche Zukunft zu sichern, besteht heute darin, dass wir Freunde insbesondere außerhalb des Kreises unserer Weltkriegsgegner suchen. Still sein! Wir müssen uns damit abfinden, dass wir die Zwangsarbeiter entschädigen müssen, ohne an die deutsche Zwangsarbeiter erinnern zu dürfen. (...)Der gegenwärtige und absehbare weitere Machtverfall der USA lassen aber hoffen, dass es bei uns nicht so lange dauern wird. Wir Deutschen könnten also schon einmal etwas üben, wieder aufrecht zu gehen.“ Menno Aden liefert ein ganzes Repertoire an Geschichtsrevisionismus, Neofaschismus, NS-verherrlichung, Deutschtümelei und Rechtsradikalismus. Auch in seinem Vortrag, „Deutscher Patriotismus im heutigen Europa“, den Aden bereits am 09.05.2009 in Berlin gehalten hatte, meint er, es sei „verfassungswidrig“, dass Deutschlandkarten aufgehängt werden, „auf denen jenseits der Oder- Neiße-Linie die Welt aufhört“. „Ganz nüchtern und unideologisch“ fordert Aden am Ende des Vortrags „Eigentum in diesen Gebieten zu erwerben“, denn: „Ein Haus im ehemaligen deutschen Kulturbereich kaufen, es auf deutsche Weise pflegen und den Garten bestellten - das ist deutsch, es zu tun im deutschen Sinne patriotisch“. Die zutiefst revanchistische, rechtsradikale Veranstaltung im Hotel Mercure zeigt wieder einmal, welches Erbe die „Stiftung Preussisches Kulturerbe“ antritt und welche Traditionen der „Traditionsverein Potsdamer Glockenspiel“ fortführen will. Mitnichten handelt es sich bei dem Versuch, die Garnisonkirche wiederaufzubauen, darum, einen Ort der Nächstenliebe, Menschenrechte oder Versöhnung zu schaffen. Im Gegenteil: Geschichtsrevisionismus und deutschnationale Selbstbeweihräucherung sollen hier salonfähig gemacht und zementiert werden. Wir fordern das Hotel Mercure auf, die Veranstaltung mit Menno Aden abzusagen! Menno Adé! Keine rechtsradikalen Auftritte in Potsdam! Nie wieder Nationalsozialismus! Nie wieder Preussen! Nie wieder Deutschland! Treffpunkt: 9.30 Uhr Alter Markt

Freitag, 27. August 2010

No Al-Quds – Gegen Islamismus und Antisemitismus

Am 4. September 2010 demonstrieren in Berlin Islamist_innen, Neonazis und antizionistische Linke für die „Befreiung Jerusalems“, also für die Zerschlagung des jüdischen Staates Israel. Die Berliner Demonstration ist Teil des internationalen „Al-Quds-Tages“, an dem das iranische Mullahregime seinen reaktionären Kulturkampf in die Welt trägt. In diesem Jahr ruft ein Bündnis antifaschistischer Gruppen auf, der gruseligen Propagandashow entgegenzutreten.

Der Mobi-Vortrag am Dienstag den 31.08.10 im Black Fleck (Zeppelinstraße 26) wird sich inhaltlich mit dem „Al-Quds-Tag“, dem Iran und dessen Antisemitismus als staatstragende Ideologie auseinandersetzen. Als Abschluß soll die Situation in Berlin betrachtet und Gegenaktionen vorgestellt werden.

Für weitere Information schaut auf http://akantifapotsdam.blogsport.de/ nach.

Sonntag, 27. Juni 2010

Platzverweis für die Langen Kerls

Platzverweis für die Langen Kerls Es war wieder einmal so weit, die Potsdamer Langen Kerls wollten öffentlich auftreten und ihren historisierten Klamauk betreiben. Doch mit einem fröhlichen Protest, viel guter Laune und lauter Musik wurde ihrem militärischen Unwesen an diesem Samstag wieder ein schnelles Ende bereitet und die schon etwas angegrauten Männer vom Platz geschickt. Kaum hatten sich die Kerls in den Kutschstall verzogen, schaute auch schon die Sonne hinter den Wolken hervor und freute sich mit den Protestierenden… Nur zum Schluss, als sich die Langen Kerls schon im Kutschstall verkrochen hatten, zeigte die Polizei abermals ihre Verbundenheit mit den feudalen Militärs und prügelte auf die Protestierenden ein. Getreu dem Motto: Gegen Demokraten, helfen nur Soldaten – oder in diesem Fall Potsdamer PolizistInnen. Mit großer Brutalität versuchten sie, die den AntimilitaristInnen eine Lehrstunde in Sachen Demokratie zu erteilen. Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Nie wieder Preußen!

Sonntag, 20. Juni 2010

Die Rückkehr der Langen Kerls

Die Rückkehr der Langen Kerls Es ist wieder soweit: Die "Potsdamer Riesengarde Lange Kerls" ruft anlässlich ihres 20-jährigen Jubiläums zu einer öffentlichen Musterung in Potsdams Innenstadt auf. Das geschichtsrevisionistische Spektakel soll am 19. Juni vor dem Kutschstall am Neuen Markt stattfinden.

Die Langen Kerls waren "Seiner Königlichen Majestät Regiment" von Friedrich Wilhelm I., dem so genannten Soldatenkönig. Bereits als 15 jähriger entwickelte das Prinzchen eine Marotte für lange Kerls, welche er als Spielzeugsoldaten auf dem Jagdschloss Wusterhausen halten und zu seiner großen Freude meist ab 5 Uhr morgens stundenlang über den Platz exerzieren lassen konnte. Diese Leibgarde verschlang nicht nur verheerende Summen des königlichen Haushalts; man scheute auch keine Mühe, um die Garde mit allen Mitteln zusammen zu rauben. Große Männer mit Gardemaß (mind. 1,88m) wurden oft, sofern sie nicht freiwillig folgten, des Nachts aus ihren Häusern oder von der Straße weggefangen und zum Dienst gezwungen, weshalb eine Welle von Flüchtlingen Preußen überraschend verließ. Dies wiederum veranlasste Friedrich Wilhelm 1. auch im Ausland nach "Riesen" zu spähen, was ihm erhebliche diplomatische Schwierigkeiten und gar Kriegsdrohungen bescherte.

Auch wenn das Regiment eine reine Paradegruppe war, welche eher aus ästhetischen Erwägungen zusammengestellt wurde, stehen die Langen Kerls für die preußischen "Tugenden" Disziplin, Sauberkeit und (Kadaver-)Gehorsam sowie für die Unterordnung des Einzelnen unter den Militärstaat, der seine Untertanen anhand von Tauglichkeit und Verwertbarkeit klassifiziert und alle vermeintlich Anderen ausschließt. Dieses erfährt seine Kontinuität im Nationalsozialismus.

Seit 1990 nun macht es sich der militärhistorische Traditionsverein "Potsdamer Riesengarde `Lange Kerls` e.V." zur Aufgabe den allgegenwärtigen Zwang im militaristischen Preußenstaat folkloristisch zu verklären und marschiert "zum Zwecke der lebenden Geschichte und erfreuenden Erbauung der geneigten Zuschauerschaft (...) durch Potsdam, Deutschland und die Welt."

Die Darbietungen der Langen Kerls e.V. sind genauso historisch korrekt und wunderschön wie der derbe Alltag im militaristischen Preußenstaat angenehm war. Ihr Treiben ist eine von vielen Zustimmungen, die nach der deutschen Wiedervereinigung und nach jahrelanger Verbannung Preußens seit seiner Auflösung durch die Alliierten 1947 wieder laut werden und sich positiv auf Deutschland und seine Geschichte beziehen.

Knüpfen wir an >unsere< Tradition an und machen wir ihnen die Hölle heiß - keine Langen Kerls in Potsdam! Auf dass sie 10 weitere Jahre brauchen, um sich wieder in die Innenstadt zu trauen.

Nie wieder Preußen! Nie wieder Nationalsozialismus! Nie wieder Deutschland!