Vortrag, 12. Juni 2007
Antisemitismus und Antizionismus in der KPD der Weimarer Republik (1925-1933) Vortrag und Diskussion mit Olaf Kistenmacher (Historiker/Hamburg)Antizionismus - das scheint ein neueres Phänomen zu sein. Wenn Israel mit Nazideutschland gleichgesetzt wird, wenn vom "israelischen Faschismus" die Rede ist oder Israel zur Inkarnation des Imperialismus erklärt wird, dann wird das zumeist mit der aktuellen Politik der israelischen Regierung "begründet", bestenfalls noch mit den Ergebnissen des Sechstagekriegs von 1967. Ein Blick zurück in die 1920er Jahre zeigt jedoch, dass bereits zwanzig Jahre vor der Staatsgründung Israels in der "Roten Fahne", der Tageszeitung der KPD, antizionistische ebenso wie anti-jüdische Bilder geprägt wurden: "Juden" galten meist als Kapitalisten, als mächtig und habgierig. Folglich galt der Zionismus als Vorstoß des Kapitalismus und Imperialismus. Die Siedler und die alten jüdischen Gemeinden im britischen Mandatsgebiet Palästina wurden gleichermaßen als Feinde der werktätigen arabischen Völker dargestellt, "jüdische Faschisten" wurden mit den Nationalsozialisten gleichgesetzt, die am Ende der Weimarer Republik Kommunisten auf der Straße ermordeten. Damit war in der KPD das Urteil über Israel bereits gefällt, bevor es den Staat Israel gab. Dieser Antizionismus der KPD hat die antizionistische Haltung der DDR, die bis 1990 den Staat Israel nicht anerkannte, vorbereitet. Im Namen des Antizionismus' sind nach 1945 Tausende von Menschen in der der Sowjetunion und der DDR verfolgt, inhaftiert und ermordet. Generell hat der 'Antizionismus' dafür gesorgt, dass Antisemitismus nicht nur in der radikalen Rechten bestand, sondern unter dem Deckmantel des Antiimperialismus und der Kapitalismuskritik auch in der Linken weiterbestehen konnte. Eine linke Selbstkritik, zu der hier ein Beitrag geleistet werden soll, kommt um die Befassung mit der eigenen, auch weit zurückliegenden Geschichte nicht herum. Präsentiert von: madstop
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