Donnerstag, 14. März 2013

Veranstaltungsreihe - Vom Tag zur Nacht von Potsdam

Die Veranstaltungsreihe setzt sich mit der Rolle Preußens innerhalb der deutschen Geschichte auseinander und soll aufzeigen wie diese verknüpft ist mit den grausamen und einzigartigen Entwicklungen Deutschlands. Die Unterdrückung progressiver und emanzipatorischer Bewegungen in und durch Preußen hat maßgeblich dazu beigetragen, dass in Deutschland niemals eine erfolgreiche bürgerliche, geschweige denn proletarische Revolution stattfinden konnte. Selbst nach der Entstehung der Weimarer Republik war das preußische Untertanentum keinesfalls aus den Köpfen verschwunden und ermöglichte im Zusammenspiel mit der Politik der preußischen Eliten nicht zuletzt auch die Machtübernahme der Nazis. Symbolhaft dafür steht der »Tag von Potsdam«, an welchem sich Hitler und Hindenburg vor der Potsdamer Garnisonkirche die Hand reichten. Dass die preußische Vorgeschichte kausal etwas mit dem Tag von Potsdam zu tun hatte wird heute gern geleugnet. Hitler in Potsdam bleibt ein Unfall, der mit Potsdam nichts zu tun gehabt haben soll. So wie die deutsche Geschichte vor 1933 und nach 1945 nichts mit ihm zu tun gehabt haben soll. Und das postfaschistische Deutschland hat eine reine Weste. Diesem Mythos in seinen unterschiedlichen Ausprägungen wollen wir mit scharfer Kritik zu Leibe rücken.

Die Termine der Veranstaltungreihe:

16. März | 20 Uhr | Vortrag, Konzert, Party (Spartacus, Friedrich-Engels-Straße 22) »Antifajugend statt Preußentugend!« Veranstaltung des “Emanzipatorischen Jugendkollektiv Potsdam” für die kritische Auseinandersetzung mit dem Preußenhype in Potsdam. Gerade bei der aktuellen Debatte um die Garnisonkirche und dem „Friedrichjahr 2012“ haben es sowohl manche Stadtpolitiker_innen als auch einige Organisationen der „bürgerlichen Mitte“ geschafft, den preußischen Staat als gar friedliebend und tolerant darzustellen. Um dieser Geschichtsverdrehung ein Ende zu bereiten, rufen wir euch auf, gemeinsam mit uns gegen den ganzen Preußenmief eure Stimme zu erheben und den Plänen für den Umbau Potsdams weiterhin ein Dorn im Auge zu sein. 20 Uhr Videoschnipselvortrag durch die Niederungen der preussischen Geschichte; danach Konzert und Party mehr Informationen bei EJKP


19. März | 19 Uhr | Vortrag (Altes Rathaus/Potsdam Museum – Am Alten Markt 9) »Der Tag von Potsdam. Faschismus in Deutschland« Hitlers Aufstieg vollzog sich nicht über Nacht, er war ein Prozess. Eine entscheidende Rolle spielte dabei der »Tag von Potsdam« am 21. März 1933. Der Handschlag zwischen Hitler und Hindenburg versinnbildlichte das Bündnis zwischen Nazis und der bürgerlichen Elite. Erst dadurch wurde der Faschismus in Deutschland möglich. Was aber ist eigentlich Faschismus und wie konnte es soweit kommen? War es eine Verschwörung dunkler Mächte des Kapitals, welche der Hitlerpartei zur Macht verhalf? Oder waren es »Zwangsläufigkeiten«, von denen heute so oft gesprochen wird? Bernd Langer (Künstler und Schriftsteller)


21. März | 17 Uhr | Kundgebung (ehemaliger Standort der Garnisonkirche) Tag von Potsdam Kundgebung vor der Garnisonkirche gegen die architektonische und ideologische Renaissance Preußens. Den reaktionären Eliten heute wie damals in die Suppe spucken.


21. März | 21 Uhr | Konzert (Spartacus, Friedrich-Engels-Straße 22) AfterShowKonzert Hardcore-Konzert mit Unrest (Münster), MVD (Berlin) und Avverkad (Berlin)


25. März | 20 Uhr | Lesung (Freiland Haus II, Friedrich-Engels-Straße 22) Satirische Lesung mit Tramper und Ebermann Trampert und Ebermann werden einen Querschnitt aus der Sammlung ihrer satirischen Stücke zum Thema Preußentum und Deutschtum präsentieren die inzwischen zu echten Klassiker avanciert sind. Der Staat Preußen hat zu bestehen aufgehört, aber seine Tugenden auch? Thomas Ebermann und Rainer Trampert (Publizisten, Satiriker und ehemalige Grünen Bundespolitiker)


04. April | 20 Uhr | Filmvorführung (Black Fleck, Zeppelinstr. 26) »Friedrich II. der grosse SaupreuSSe« – Directors cut Der alte Fritz privat und wie ihn bisher niemand kannte – oder – Geschichte von unten. Der Film gibt intime Einblicke in sein privatestes Leben und lässt einen die großen Taten des Alten Fritz mit anderen Augen sehen. Der katholische Filmdienst meint: »…schockierend, erschreckend, anmutig, herzzereissend absolut sehenswert. Nach diesem Film muss die Geschichte neu geschrieben werden!« Anschließend: Gespräch mit dem Regisseur. Film von Mike Spike Froidl aka Don Caos (Academy of Art, Munich), D 2005, 70 min.


11. April | 19 Uhr | Buchvorstellung (Buchladen Sputnik, Charlottenstr. 28) »Massenstreik und SchieSSbefehl« Das Werk geht auf die Streikbewegung im Frühjahr 1919 ein, sowie auf das anschließende Massaker in Berlin durch den »Schießbefehl«von Innenminister Gustav Noske(SPD). Dazu der Historiker O. Jung: »Noskes Erschießungsbefehl reiht sich so als unwürdiges Glied in eine Kette (prä)faschistischer deutscher Gewaltpolitik ein…« Diese Gewaltpolitik stellt schlichtweg eine deutsche Tradition dar und hat seit Friedrich II. jegliche progressive Bewegung niedergeschlagen. Dietmar Lange (Historiker)


14. April | 17 Uhr | Kundgebung & Broschürenvorstellung (Alter Markt) Nacht von Potsdam In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1945 wurde die Potsdamer Innenstadt durch alliierte Bombenangriffe zerstört. Mit dem unübersehbaren Ende des NS-Staats kam auch das endgültige Ende Preussens. Wir wollen das Datum zum Anlass nehmen die Broschüre des »Fuck off Fritz« Bündnisses zu veröffentlichen. Entstanden ist sie nach dem großen Jubeljahr 2012 zum 300. Geburtstags Friedrich II. Unter Einbeziehung verschiedener Betrachtungsweisen setzt sie sich kritisch mit dem stark verklärten preussischen Geschichtsbild in der BRD auseinander. Präsentieren wollen wir die Broschüre am Alten Markt, einem der symptomatischsten Ort Potsdamer Geschichtsvergessenheit. Zwischen Vertriebenendenkmal und frisch wiederaufgebautem preussischem Machtbau findet nun ein an die deutschen Opfer gedenkender Gottesdienst in der Nikolaikirche statt, an einem Ort an dem am Tag von Potsdam Tausende dem Führer gehuldigt haben. Dem wollen wir mit Livemusik und Sekt zur Feier der Broschürenveröffentlichung und des Endes Preussens etwas entgegensetzen.


25. April | 19 Uhr | Vortrag (FH Potsdam, Alter Markt 10) »Adolf Hitler, der unmittelbar allgemeine Deutsche. Über die barbarische Dialektik der Souveränität« Der Begriff des Nationalsozialismus ist in der Perspektive zu entwickeln, daß Hitler als Erscheinung des allgemeinen Deutschen, als der, der souverän hinter den Staatsapparaten hervortrat und als Person unmittelbar alles, was deutsch ist, verkörperte. Joachim Bruhn (Publizist und Verleger)

aktuelles unter : http://tagzurnacht.blogsport.eu

Freitag, 16. September 2011

Der Papst in Berlin? What the fuck!

Am 22. September 2011 wird Joseph Aloisius Ratzinger Berlin besuchen. Das verdiente an sich keine große Aufmerksamkeit, wenn er nicht von vielen hundert Millionen Verblendeten als »Benedictus PP. XVI«, Stellvertreter eines übermenschlichen Wesens auf der Erde angesehen und verehrt würde. Der Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche steht für ein erzreaktionäres Weltbild: Frauen sind aus Sicht des Katholizismus keine gleichwertigen Menschen, Lesben und Schwule werden als »Sünder « diffamiert. Die repressive Sexualmoral der katholischen Kirche, wie das Verbot von Verhütungsmitteln, Kondomen und außerehelichem Sex, verursacht weltweit Leiden und Diskriminierung bis hin zu körperlicher Gewalt. Die Versöhnung mit Vertretern der Pius-Bruderschaft, die den Holocaust leugnen, im Jahr 2009 hat uns die antisemitischen Tendenzen des Papstes verdeutlicht.

Wir wollen eine herrschaftsfreie Gesellschaft nicht erst im Paradies, sondern jetzt – und das bedeutet, sich unter anderem gegen Sexismus, Homophobie, Transphobie, Antisemitismus, Rassismus zu wenden, gerade dann, wenn sie von einem »ehrwürdigen« alten Mann mit zu viel Macht propagiert werden. Bis zur Verwirklichung der befreiten Gesellschaft ist es noch ein steiniger Weg, die katholische Kirche ist dabei jedoch einer der größeren Brocken, die im Weg liegen. Wir nehmen den Besuch dieses Menschen also zum Anlass, unsere grundsätzliche Kritik an Religion, an der katholischen Kirche im Speziellen und an diesem Papst im Besonderen Ausdruck zu verleihen und rufen hiermit dazu auf, diese Kritik auf der Straße und bei den verschiedenen Veranstaltungen zu verdeutlichen.

Als ob dies nicht genug wäre, behelligen unshttp://www.blogger.com/img/blank.gif am Samstag vor dem Papstbesuch auch christliche Fundamentalist_Innen mit ihrem »1000 Kreuze Marsch« gegen Abtreibung und das Selbstbestimmungsrecht von Frauen. Auch diesen Aufmarsch gilt es, aufzuhalten. und wie jedes Jahr, 1000 Kreuze in die Spree zu werfen.

Tiefere Einblicke in die Abgründe des System Kirche und die ganz besonders reationären Auswüchse "UNSERES" Papstes gewähren uns Referenten vom "What the Fuck!"-Bündnis am Freitag den 16.09. um 20 Uhr im Leander (Benkertstr. 1 Potsdam).


Präsentiert von Ak_Antifa_Potsdam in Kooperation mit Queer im 1/4 e.V. und Bündnis Madstop & dem What-the-Fuck-Bündnis

Freitag, 19. August 2011

20. Juli 1944 – Gegen die Lüge vom Widerstand!

Heute soll hier – zum wiederholten Male – des 20. Juli 1944 gedacht werden, jener gescheiterten Verschwörung von Angehörigen der traditionellen preußisch-deutschen militärischen Eliten mit dem Ziel, den Reichskanzler Adolf Hitler zu ermorden und ein autoritäres Regime zu errichten, das möglichst große Teile der deutschen Kriegseroberungen sichern und die Beseitigung der Grundlagen des deutschen Militarismus und die Schaffung der Möglichkeit demokratischer Entwicklungen in Deutschland verhindern sollte.Dass es sich bei den Attentätern vom 20. Juli 1944 und den meisten in ihre Pläne Eingeweihten keineswegs um Widerstandskämpfer gegen Vernichtungskrieg und Unterdrückung gehandelt hat wird offensichtlich, wenn man fast genau einen Monat zurückblickt. Am 22. Juni jährte sich der deutsche Überfall auf die Sowjetunion zum 70. Mal. Männer wie Tresckow, Stauffenberg, Schulenburg u.a. haben diesen Eroberungs- und Vernichtungskrieg geplant, vorbereitet und geführt. Die Ermordung von Millionen von Slawen und JüdInnen, die Ausrottung der osteuropäischen Intelligenz und die Versklavung der Überlebenden war ihnen nicht nur bekannt, nein sie wurde von ihnen, z.B. mit der Umsetzung des sog. „Kommissarbefehls“, selbst tatkräftig betrieben und oft genug ausdrücklich begrüßt. Während Johann Georg Elser erkannte, dass er den Führer der Deutschen töten müsse, um einen Krieg, wie er schrecklicher noch nie geführt wurde, zu verhindern, entwickelten die „Männer des 20. Juli“ Aufmarsch- und Operationspläne für diesen Krieg. Zur gleichen Zeit, da deutsche AntifaschistInnen in Konzentrationslager verschleppt und gequält wurden, begrüßten sie das Ende des „Weimarer Chaos“, die Zerschlagung der Demokratie. Als die „Endlösung der Judenfrage“ vorbereitet wurde, zeigten sie sich angewidert von der Existenz der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa. Gegen den verzweifelten Kampf der PartisanInnen in den Wäldern Weißrusslands, im französischen Maquis und in den Bergen des Balkan um das Überleben der von den deutschen Herrenmenschen zur Vernichtung Auserkorenen führten sie einen Krieg der verbrannten Erde. Erst als absehbar war, dass die Armeen der Antihitler-Koalition nach Deutschland vorstoßen und das 3. Reich zerschlagen würden und sie fürchten mussten dass sie damit ihrer gesellschaftlichen Positionen und traditionellen Privilegien verlustig gehen würden, entschlossen sich Stauffenberg und Co. zum Attentat. Dieses scheiterte, nicht weil jene, die zuvor ganz Europa in Schutt und Asche gelegt hatten und Millionen ermorden ließen, zu blöd waren, einen einzelnen Mann zu töten. Der Umsturz scheiterte, weil sie das „Unternehmen Walküre“ nur als Täuschungsmanöver planten, weil sie sich nicht trauten, einen Aufstand und nicht nur eine Verschwörung zu organisieren, weil sie Angst vor einem neuen November 1918 hatten, weil ihnen die Demokratie noch verhasster war als die Diktatur der NSDAP. Der Wiederaufbau der Garnisonkirche ist schwieriger zu legitimieren, als zum Beispiel der des Stadtschlosses. Handelte es sich doch hier nicht nur um ein Monument der preußischen Militäraristokratie und ihrer religiösen Gebräuche, sondern vor allem um den Ort, an dem die traditionellen preußisch-deutschen Eliten am „Tag von Potsdam“ ihr Bündnis mit der NSDAP und die Machtübergabe an diese öffentlich besiegelten. Das Vorhaben des Wiederaufbaus der Garnisonkirche war und ist deshalb mit dem Verdacht konfrontiert, dass es sich hier um ein Projekt verbohrter alter Nazis handele (wofür die Traditionsgemeinschaft „Potsdamer Glockenspiel“ aus Iserlohn, auf die das Wiederaufbauvorhaben ursprünglich zurückgeht, auch alles tat, z.B. mit ihrem Eintreten für ein Deutschland in den Grenzen von 1937). Aus diesem Grunde wurde das Projekt des Wiederaufbaus lange als „Versöhnungskirche“ bezeichnet, wurde behauptet, dass man hier einen Ort schaffen wolle, an dem die Kriegsgegner der Vergangenheit um einer gemeinsamen Zukunft willen im Gebet zusammenkommen könnten. Doch trotz aller Propaganda, trotz massiver staatlicher Anschubfinanzierung und Unterstützung will die Spendensammlung für die Garnisonkirche nicht vom Fleck kommen. Auch wenn sie nicht verstehen warum, so wird doch den Betreibern des Wideraufbaus der Garnisonkirche klar, dass es eine von den Mördern dekretierte Versöhnung mit den Opfern nicht geben kann. Geld für den Wiederaufbau kommt, sofern es nicht öffentliche Gelder sind, nur von Menschen, die sich ideologisch dem vor- und undemokratischen Preußentum verbunden fühlen. Das von der Traditionsgemeinschaft gesammelte Geld steht für den Wiederaufbau nicht zur Verfügung und andere Geldquellen ließen sich bisher nicht auftun. Und so lässt man Stück für Stück Versöhnung und internationale Begegnung fallen, und nähert sich wieder jenen an, die hier ungebrochen eine Weihestätte des Militarismus und Preußentums wiedererrichten wollen. Mit der kürzlich vorgenommenen Einweihung der temporären Kapelle am Standort der Garnisonkirche, in deren Zentrum ein preußischer Feldaltar steht, wurde klar, wohin die Reise gehen soll: Nein, die Garnisonkirche soll kein Ort der NS-Nostalgie und des Hitlerkultes werden. Sie soll der Verehrung einer idealisierten autoritären, militaristischen preußisch-deutschen Vergangenheit dienen, einer Vergangenheit, in der zwar die Grundlagen für das 3. Reich gelegt wurden, die von diesem jedoch selbst unterschieden werden muss. Einer Vergangenheit, die von den Antisemiten und Kriegsverbrechern, den „Männern des 20. Juli 1944“, symbolisiert werden soll. Und dies ist für uns heute und in Zukunft Anlass genug, laut und deutlich zu sagen:
NEIN! MIT UNS NICHT! DIESE PLÄNE STÖREN WIR GERNE!
Potsdam, den 20. Juli 2011
Bündnis Madstop
P.S. Wir kommen wieder!

Donnerstag, 2. September 2010

Achtung: Rechtsradikale Veranstaltung im Hotel Mercure

Achtung: Rechtsradikale Veranstaltung im Hotel Mercure Am 04. September 2010 um 10 Uhr lädt die „Stiftung Preussisches Kulturerbe“ auch dieses Jahr wieder zum Brandenburger Gespräch ein. Es spricht ein gewisser Menno Aden zum Thema „ Deutscher Patriotismus im heutigen Europa“ im Hotel Mercure Potsdam. Besagte Person wie auch der Vortrag sind jedoch alles andere als harmlos. Aden, promovierter Jurist und selbst ernannter Schützer der deutschen Sprache, wenn auch derselben oft nicht mächtig, gehört als Rechtskonservativer zu den Erstunterzeichnern gegen den „Linkstrend“ in der CDU/CSU. Seine politischen Visionen gehen jedoch weit über einen bürgerlichen Chauvinismus hinaus. Schon sein erstes Buch „Internationales Privates Wirtschaftsrecht“ widmete er u.a. dem Leiter des NS-Justizministeriums Franz Schlegelberger, der als ranghöchster Angeklagter bei den Nürnberger Juristenprozessen zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. In seinem hymnischen Aufsatz „Franz Schlegelberger - Staatssekretär im Reichsjustizministerium“ stellt er dessen vermeintliche Qualitäten als Mensch heraus. Schlegelberger war jedoch u.a. in das Euthanasieprogramm und die Ermordung des Juden Markus Luftglass persönlich verstrickt. Des Weiteren ist Aden Vorsitzender des Vereins „Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft“ (SWG), die durch personelle Überschneidungen zu rechtsextremen Organisationen bekannt ist. Mitbegründer und erster Vorsitzender der SWG war Hugo Wellems, der als Referent von Goebbels im Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda arbeitete. Die SWG führte gelegentlich gemeinsame Veranstaltungen mit der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik“ durch – einem Altherrenclub, der beim Verfassungsschutz als mitgliederstärkste rechtsextremistische Kulturvereinigung gilt. Aden versteckt sich aus Angst vor strafrechtlicher Verfolgung oder gar alliierter Heimzahlung gerne hinter Autoren, die offen ihre Faszination und Hingabe für das Dritte Reich bekennen: So zitiert er den norwegischen Schriftsteller Knut Hamsun, ohne sich in irgendeiner Weise zu distanzieren. Die Passage lautet: „Ich bin dessen nicht würdig, mit lauter Stimme über Adolf Hitler zu sprechen, und zu sentimentaler Rührung laden sein Leben und Taten nicht ein. Er war ein Krieger, ein Krieger für die Menschheit und ein Verkünder des Evangeliums vom Recht aller Nationen. Er war eine reformatorische Gestalt von höchstem Rang, und es war sein historisches Schicksal, in einer Zeit der beispiellosen Niedertracht wirken zu müssen, die ich ihn am Ende zu Boden schlug. So wird der gewöhnliche Westeuropäer Adolf Hitler sehen, und wir, seine treuen Anhänger, neigen nun unser Haupt angesichts seines Todes.“ Aus seinem Faible für NS-Kriegsverbrecher macht Aden keinen Hehl: In seinem Artikel „90 jähriger Kriegsverbrecher“ äußert Aden über Josef Scheungraber, der als Wehrmachtssoldat für die Ermordung von zehn italienischen Zivilisten 1944 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, sein „Mitleid mit dem Täter, von dessen Schuld wir mit dem LG München einmal ausgehen wollen“ und verhöhnt dessen Opfer, indem er diese nur pro forma folgendermaßen bedauert: „Wir sollen auch Mitleid mit den Opfern bekunden, wie das heute üblich ist.“ Aden verteidigt den faschistischen Terror auch durch den Versuch einer Rehabilitierung der NS-Gesetzgebung : „Gesetze und Verordnungen der NS-Zeit waren als solche in Ordnung!“ In gleicher Weise wetterte er gegen die Strafverfolgung Demjanuks. Er zitiert Goebbels unkommentiert, beschreibt Hitler lediglich als „unseren damaligen Staatschef“, bezeichnet den Siegesfeldzug Nazideutschlands gegen Frankreich als „genial“ und als Voraussetzung dafür, dass Deutschland in der Welt heute so anerkannt sei. In seinen Texten verliert er sich in Klageliedern über die „politische Nichtigkeit“ Deutschlands im 18. Jh., deutsche Kolonielosigkeit, die Tatsache nach dem 1. WK,„territorial schmerzhaft beschnitten“ worden zu sein, „diskriminierte und nicht selten misshandelte Deutsche“ in Polen und Böhmen, die „an unseren Grenzen nagenden Nachbarn“ und nicht zuletzt „die Schmach von Versailles“. Dennoch, so Aden, wären die zwei verlorenen Weltkriege ein „Fingerzeig Gottes“ gewesen: „Nun jedoch trat Deutschland in neuer Form und als weitgehend souveräner Staat neu ins Licht der Weltpolitik.“ Heute, endlich, habe es Deutschland zu Ansehen in der Welt gebracht und gilt als Vorreiter für: „Rechtsstaatlichkeit, Pazifismus, Völkerverständigung...“ Aus Angst vor alliierten Vergeltungsmaßnahmen jedoch, mahnt Aden zur Vorsicht: „Der Sieger zweier Weltkriege ist stark genug, uns wieder zu erledigen – und dann ganz. (...) Solange aber diese Möglichkeit (ein 3. WK gegen! Deutschland, Anm. d. V.) in der einen oder anderen Weise, wenn auch nicht als heißer, so als Knebelungskrieg, über uns schwebt, müssen wir Deutschen uns mit dem Ausdruck nationaler Würde zurückhalten. Die einzige Möglichkeit, deutsche Zukunft zu sichern, besteht heute darin, dass wir Freunde insbesondere außerhalb des Kreises unserer Weltkriegsgegner suchen. Still sein! Wir müssen uns damit abfinden, dass wir die Zwangsarbeiter entschädigen müssen, ohne an die deutsche Zwangsarbeiter erinnern zu dürfen. (...)Der gegenwärtige und absehbare weitere Machtverfall der USA lassen aber hoffen, dass es bei uns nicht so lange dauern wird. Wir Deutschen könnten also schon einmal etwas üben, wieder aufrecht zu gehen.“ Menno Aden liefert ein ganzes Repertoire an Geschichtsrevisionismus, Neofaschismus, NS-verherrlichung, Deutschtümelei und Rechtsradikalismus. Auch in seinem Vortrag, „Deutscher Patriotismus im heutigen Europa“, den Aden bereits am 09.05.2009 in Berlin gehalten hatte, meint er, es sei „verfassungswidrig“, dass Deutschlandkarten aufgehängt werden, „auf denen jenseits der Oder- Neiße-Linie die Welt aufhört“. „Ganz nüchtern und unideologisch“ fordert Aden am Ende des Vortrags „Eigentum in diesen Gebieten zu erwerben“, denn: „Ein Haus im ehemaligen deutschen Kulturbereich kaufen, es auf deutsche Weise pflegen und den Garten bestellten - das ist deutsch, es zu tun im deutschen Sinne patriotisch“. Die zutiefst revanchistische, rechtsradikale Veranstaltung im Hotel Mercure zeigt wieder einmal, welches Erbe die „Stiftung Preussisches Kulturerbe“ antritt und welche Traditionen der „Traditionsverein Potsdamer Glockenspiel“ fortführen will. Mitnichten handelt es sich bei dem Versuch, die Garnisonkirche wiederaufzubauen, darum, einen Ort der Nächstenliebe, Menschenrechte oder Versöhnung zu schaffen. Im Gegenteil: Geschichtsrevisionismus und deutschnationale Selbstbeweihräucherung sollen hier salonfähig gemacht und zementiert werden. Wir fordern das Hotel Mercure auf, die Veranstaltung mit Menno Aden abzusagen! Menno Adé! Keine rechtsradikalen Auftritte in Potsdam! Nie wieder Nationalsozialismus! Nie wieder Preussen! Nie wieder Deutschland! Treffpunkt: 9.30 Uhr Alter Markt

Freitag, 27. August 2010

No Al-Quds – Gegen Islamismus und Antisemitismus

Am 4. September 2010 demonstrieren in Berlin Islamist_innen, Neonazis und antizionistische Linke für die „Befreiung Jerusalems“, also für die Zerschlagung des jüdischen Staates Israel. Die Berliner Demonstration ist Teil des internationalen „Al-Quds-Tages“, an dem das iranische Mullahregime seinen reaktionären Kulturkampf in die Welt trägt. In diesem Jahr ruft ein Bündnis antifaschistischer Gruppen auf, der gruseligen Propagandashow entgegenzutreten.

Der Mobi-Vortrag am Dienstag den 31.08.10 im Black Fleck (Zeppelinstraße 26) wird sich inhaltlich mit dem „Al-Quds-Tag“, dem Iran und dessen Antisemitismus als staatstragende Ideologie auseinandersetzen. Als Abschluß soll die Situation in Berlin betrachtet und Gegenaktionen vorgestellt werden.

Für weitere Information schaut auf http://akantifapotsdam.blogsport.de/ nach.

Sonntag, 27. Juni 2010

Platzverweis für die Langen Kerls

Platzverweis für die Langen Kerls Es war wieder einmal so weit, die Potsdamer Langen Kerls wollten öffentlich auftreten und ihren historisierten Klamauk betreiben. Doch mit einem fröhlichen Protest, viel guter Laune und lauter Musik wurde ihrem militärischen Unwesen an diesem Samstag wieder ein schnelles Ende bereitet und die schon etwas angegrauten Männer vom Platz geschickt. Kaum hatten sich die Kerls in den Kutschstall verzogen, schaute auch schon die Sonne hinter den Wolken hervor und freute sich mit den Protestierenden… Nur zum Schluss, als sich die Langen Kerls schon im Kutschstall verkrochen hatten, zeigte die Polizei abermals ihre Verbundenheit mit den feudalen Militärs und prügelte auf die Protestierenden ein. Getreu dem Motto: Gegen Demokraten, helfen nur Soldaten – oder in diesem Fall Potsdamer PolizistInnen. Mit großer Brutalität versuchten sie, die den AntimilitaristInnen eine Lehrstunde in Sachen Demokratie zu erteilen. Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Nie wieder Preußen!

Sonntag, 20. Juni 2010

Die Rückkehr der Langen Kerls

Die Rückkehr der Langen Kerls Es ist wieder soweit: Die "Potsdamer Riesengarde Lange Kerls" ruft anlässlich ihres 20-jährigen Jubiläums zu einer öffentlichen Musterung in Potsdams Innenstadt auf. Das geschichtsrevisionistische Spektakel soll am 19. Juni vor dem Kutschstall am Neuen Markt stattfinden.

Die Langen Kerls waren "Seiner Königlichen Majestät Regiment" von Friedrich Wilhelm I., dem so genannten Soldatenkönig. Bereits als 15 jähriger entwickelte das Prinzchen eine Marotte für lange Kerls, welche er als Spielzeugsoldaten auf dem Jagdschloss Wusterhausen halten und zu seiner großen Freude meist ab 5 Uhr morgens stundenlang über den Platz exerzieren lassen konnte. Diese Leibgarde verschlang nicht nur verheerende Summen des königlichen Haushalts; man scheute auch keine Mühe, um die Garde mit allen Mitteln zusammen zu rauben. Große Männer mit Gardemaß (mind. 1,88m) wurden oft, sofern sie nicht freiwillig folgten, des Nachts aus ihren Häusern oder von der Straße weggefangen und zum Dienst gezwungen, weshalb eine Welle von Flüchtlingen Preußen überraschend verließ. Dies wiederum veranlasste Friedrich Wilhelm 1. auch im Ausland nach "Riesen" zu spähen, was ihm erhebliche diplomatische Schwierigkeiten und gar Kriegsdrohungen bescherte.

Auch wenn das Regiment eine reine Paradegruppe war, welche eher aus ästhetischen Erwägungen zusammengestellt wurde, stehen die Langen Kerls für die preußischen "Tugenden" Disziplin, Sauberkeit und (Kadaver-)Gehorsam sowie für die Unterordnung des Einzelnen unter den Militärstaat, der seine Untertanen anhand von Tauglichkeit und Verwertbarkeit klassifiziert und alle vermeintlich Anderen ausschließt. Dieses erfährt seine Kontinuität im Nationalsozialismus.

Seit 1990 nun macht es sich der militärhistorische Traditionsverein "Potsdamer Riesengarde `Lange Kerls` e.V." zur Aufgabe den allgegenwärtigen Zwang im militaristischen Preußenstaat folkloristisch zu verklären und marschiert "zum Zwecke der lebenden Geschichte und erfreuenden Erbauung der geneigten Zuschauerschaft (...) durch Potsdam, Deutschland und die Welt."

Die Darbietungen der Langen Kerls e.V. sind genauso historisch korrekt und wunderschön wie der derbe Alltag im militaristischen Preußenstaat angenehm war. Ihr Treiben ist eine von vielen Zustimmungen, die nach der deutschen Wiedervereinigung und nach jahrelanger Verbannung Preußens seit seiner Auflösung durch die Alliierten 1947 wieder laut werden und sich positiv auf Deutschland und seine Geschichte beziehen.

Knüpfen wir an >unsere< Tradition an und machen wir ihnen die Hölle heiß - keine Langen Kerls in Potsdam! Auf dass sie 10 weitere Jahre brauchen, um sich wieder in die Innenstadt zu trauen.

Nie wieder Preußen! Nie wieder Nationalsozialismus! Nie wieder Deutschland!